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Gülleverklappung im Naturschutzgebiet

Frühlingshafte Temperaturen in diesen Tagen. Statt Blütenduft kann der Bürger das Aroma von Gülle wahrnehmen. Was die Bauern derzeit auf den Feldern ausbringen, kommt irgendwann in unserem Trinkwasser an.

Schon seit Jahren ist immer wieder zu beobachten, dass im großen Stil Gülle und Hühnerkot von Tank- und  Containerfahrzeugen aus den Niederlanden auf landwirt­schaftlichen Nutzflächen aufgebracht werden.

Der Kreis Heinsberg zählt, nach einer Studie des Umweltministeriums NRW, zu den am Höchsten belasteten Kreisen in NRW. Dabei ist die Nitratbelastung des Grund- und Trinkwassers besonders hoch.

Eindeutige Verursacher dieser Grundwasserverschmutzung sind die hier ansässigen Landwirte und Betreiber von Biogasanlagen, die die mit Gülle belasteten Abfälle ebenfalls auf die Felder ausbringen. Was für die Landwirte ein lukratives Geschäft bedeutet, da die hochangereicherte Gülle und Hühnerkot aus Mastbetrieben den Kunstdünger ersetzen, wird für die Bevölkerung und Umwelt zur Belastung.

Aussagen zufolge, soll es sogar Landwirte geben, die zusätzlich Prämien dafür kassieren, wenn sie Ihre landwirtschaftlichen Nutzflächen für Gülle und Hühnerkot aus den Niederlanden zur Verfügung stellen. In den Niederlanden ist das Ausbringen von Gülle weitestgehend verboten, weil die Boden- und Grundwasserbelastung be­reits zu hoch ist.

Verordnungen der Länder NRW und Niedersachsen, wonach die Gülle durch Erhitzen sterilisiert werden muss, ändern nichts an den steigenden Werten der Nitratbelastung. Von ordnungsrechtlichen Maßnahmen wird relativ wenig Gebrauch gemacht.

Und nun zu den Vorkommnissen in der Gemeinde Gangelt. Am Freitag, den 28. Februar 2014 waren hinter dem Kahnweiher in Gangelt zwei mit Gülle beladene Tanklastzüge (40-Tonner) und ein Ausbringe-Fahrzeug mit der Ausbringung von Gülle tätig. Die beiden Tankzüge standen in unmittelbarer Nähe, am östlichen Ende, des Kahnweihers auf dem geteerten Weg.

Ein Anwohner informierte daraufhin ein Vorstandsmitglied des Angelvereins, der un­verzüglich den Leiter des Ordnungsamtes abholte und mit ihm zum Ort des Gesche­hens fuhr. Weiterhin wurde der Leiter des Verbandswasserwerks Gangelt informiert. Bei Eintreffen vor Ort waren die beiden Tankfahrzeuge aus den Niederlanden bereits verschwunden und die Wiesen hinter dem Kahnweiher, in Richtung Stahe mit Gülle „getränkt“.

Erhebliche Mengen von Gülle, die beim Umpumpen von den Tankfahrzeugen ins Ausbringe-Fahrzeug ausgelaufen sind, überschwemmten die Flächen unmittelbar am Rand des Kahnweihers. Gemeindearbeiter haben diese Bereiche mittlerweile mit Holzschnitzel überdeckt.

Dieser Vorfall ist kein Einzelfall! Regelmäßig werden die Wiesen im direkten Bereich des Rodebachs zwischen Stahe und Mindergangelt mit Gülle aus den Niederlanden beaufschlagt. Die stinkenden Duschen, die auf die Felder regnen, sind derzeit noch als braune Oberfläche erkennbar und kommen irgendwann in unserem Trinkwasser an.

Hierüber liegen der UB Gangelt zahlreiche Bilddokumente vor.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Gemeinde Gangelt per Satzungsbeschluss aus Oktober 2010 dem Bürger Fristen für die Dichtheitsprüfung privater Abwasserleitun­gen gesetzt hat, damit kein (privates) Schmutzwasser ins Erdreich und Grundwasser eintritt, können die Bürger unserer Gemeinde einfach nicht verstehen, wenn derzeit verstärkt tonnenweise Fäkalreste, die größtenteils nicht aus der Gemeinde stammen, auf unserem Gemeindegebiet verteilt werden. Und das auch noch unkontrolliert.

Diese unterschiedliche Handhabung beim Gewässerschutz, insbesondere in den Wasserschutzgebieten ist für den Bürger nicht transparent. Die UB Gangelt hat daher einen Fragenkatalog an die Gemeindeverwaltung gerichtet:

1. Ist es den Landwirten erlaubt bzw. gibt es (Sonder-/ Ausnahme-) Genehmigungen, die es überhaupt erlauben in den Wiesen entlang des Rodebachs und/ oder anderen Landschafts-, Natur- und Wasserschutzgebieten Gülle auszubringen?

2. Wenn ja, in welchen Mengen und Abständen und zu welchen Jahreszeiten?

3. In wie weit wird diese durch die Aufsichtsbehörden / Verwaltung kontrolliert und dokumentiert?

4. Wie ist es bei den anderen Flächen der Landwirtschaft, insbesondere unter Be­rücksichtigung des intensiven Anbaus von „Energiemais“ für die Biogasan­lagen, in der Gemeinde?

5. Wie hoch ist die Bodenbelastung in der Gemeinde im Vergleich zu Grenzwer­ten?

6. Wie hoch ist die Belastung des Grundwassers in der Gemeinde Gangelt, insbe­sondere des Wassers aus dem Gangelter Wasserwerk, im Vergleich zu gesetzlichen Grenzwerten?

7. Wo „verklappen“ die  Biogasanlagen und Hühnermastbetrieb in der Gemeinde Gangelt ihre Abfälle?

8. Wie wird das kontrolliert, dokumentiert und durch wen?

9. Was unternimmt die Verwaltung, um das Verklappen von Mastabfällen, in Form von Gülle und Hühnerkot aus den Niederlanden, zu unterbinden?

10. Ist das Gangelter Grundwasser und Wasser aus dem Gangelter Wasserwerk sauber und sicher?

 

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